Pressemitteilung der Patienteninitiative vom 18.12.2008

Veröffentlicht auf von Carl-Friedrich Waßmuth

Patienteninitiative gegen die Schließung der reproduktions-
medizinischen Abteilung der Charité: Pressemitteilung 1

c/o Fam. Waßmuth
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* Charité schließt überraschend zum Jahreswechsel ihre Kinderwunsch-Abteilung
* Patienten droht, auf die Straße gesetzt zu werden

Berlin den 18.12.2008: Die Charité schließt überraschend zum Jahreswechsel ihre reproduktionsmedizinischen Abteilung. Das geht aus einem Beschluß des dreiköpfigen Vorstands hervor, der mündlich vorliegt. Die Mitarbeiter wurden von der Zentrumsleitung im Beisein von Professor Schneider vor zwei Wochen darüber informiert, dass die Abteilung geschlossen wird. Die  Patienten wurden offiziell noch nicht informiert. "Wir haben das auf dem Flur erfahren. Meine Frau und ich befinden uns mitten in einer Behandlung. Keiner kann sagen was mit uns wird." sagt Carl-Friedrich Waßmuth, Patient und Sprecher der neu gegründeten Patienteninitiative.

Private Fertilitätspraxen sind in mehrfacher Hinsicht keine Alternative. Der kommerzielle Aspekt steht absolut im Vordergrund.  "Wo sollen wir hingehen? Bei den privaten Anbietern knallen sicher schon die Sektkorken. Es gibt Fälle, da bekommt man gar keine Behandlung, wenn man nicht 7000 Euro bar auf den Tisch legt. " Dazu kommt, dass dort weder geforscht noch ausgebildet wird. "Zur Charité konnten auch noch die schwierigen Fälle kommen. Dort gab es eine Weiterentwickung der Methoden, und Mitarbeiter mit über 30 Jahren Erfahrung in der Reproduktionsmedizin." beklagt Carl-Friedrich Waßmuth.

Die Patienteninitiative fordert: Die Schließung über Nacht muss sofort ausgesetzt werden. In einer Übergangsfrist von wenigstens einem halben Jahr müssen Fragen hinsichtlich der Weiterbehandlung, der Aufbewahrung von kryokonservierten befruchteten Eizellen und der Weiterleitung von Patientenunterlagen geklärt werden. Ähnliche Forderungen haben Mitarbeiter bereits mehrfach mündlich und in Form eines Schreibens der Assistenzärzte auch schriftlich erhoben. Antworten zu diesen Fragen erwartet die Initiative auch von den verantwortlichen Senatoren Zöllner und Lompscher.

Jenseits der handstreichartig kurzen Frist ist auch der generelle Grund für die Schließung überhaupt nicht nachvollziehbar. Als Grund für die Schließung wurden zu hohe Kosten von 200.000 Euro angegeben. "Wir haben gehört, dass die Charité ein jährliches Defizit von 38 Millionen hat. Es ist uns nicht klar, weswegen Europa größte Klinik wegen des Abbaus von einem halben Prozent ihrer Kostenunterdeckung die komplette reproduktionsmedizinischen Abteilung dicht macht" kommentiert Carl-Friedrich Waßmuth. "Wir wissen, dass eine der größten Kliniken in den USA gerade eine solche Abteilung aufstockt, mit großen Investitionen in Neubauten und allein sieben Ärzten. Dort spricht man von der Reproduktionsmedizin als der Zukunft."

Der Vorstand hat in internen Gesprächen immer betont, dass die Qualität der Abteilung ausser Frage stehe und nicht der Grund für die geplante Schließung sei. Die Schließung war im Oktober zum ersten Mal konkret besprochen worden. Doch obwohl angeblich Kostengründe der Grund dafür sein sollen, konnte die Verwaltung der Charité die genauen Zahlen nie konkret ausweisen. Seitdem hat die Abteilung zusätzlich zur Patientenversorgung die Kostenrechnung selbst ausgewertet und zwei Konzepte vorgelegt, die eine Fortexistenz der auch für Forschung und Ausbildung wichtigen Abteilung ermöglicht und dabei noch wirtschaftlich gewesen wäre. Die Konzepte wurden vom Vorstand abgelehnt, ohne dass überhaupt Gelegenheit zur Erörterung gegeben wurde.

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